Die vier Leben der MS Puijo

Das erste Leben


Dieses Schiff wurde von dem Besitzer der Lehtoniemi Maschinenwerkstatt in Joroinen, A. Krank, bei der Eisenwerkstatt in Karttula, einer Tochtergesellschaft der Stahldrahtwerke St. Petersburg, bestellt (Bau-Nr. 46). Den Rumpf lieferte man in Teilen an das Stahlwerk in Souru, wo man es montierte und danach als Frachtschiff und Schlepper unter dem Namen Sorsa benutzte. Die Abmaße betrugen damals 20,7 x 6,1 x 1,7 Meter und eine Einzylinder-Dampfmaschine erzeugte nominell 8  PS. Am 1. September 1900 kaufte der Handelsrat Isak Löf das Stahlwerk in Souru mit allem Inventar. Außer der Sorsa bekam er noch die  Dampfschiffe Lintu und Gustaf Moeting sowie den Eisenprahm Argus. Acht Jahre später brachte man die Sorsa von Iisvesi nach Kallavesi. Noch im selben Herbst, am 16.9.1908, lief das Schiff bei Muurutkoski auf einen Felsen und versank bis unter das Deck. Das Schiff war mit einer Papierfracht einer Fabrik in Juankoski auf dem Weg nach Kuopio. Die Bergungsarbeiten übergab man der Maschinenfabrik Lehtoniemi. MIT HOLZLAST ZOGEN WIR DAHIN… Der Schlepper Anna, der einen Stahlrumpf besaβ, hat seine Holzbohlen nach Savonlinna gebracht. Im Hintergrund löscht  gerade ein hölzerner Lastkahn seine Teerladung. (SLHY)

Das zweite Leben


Die Maschinenwerkstatt in Lehtoniemi, zu der Zeit amtlich Lehtoniemi Fabrik & Taipale Fabriker genannt, erneuerte das Schiff von Grund auf. Der Rumpf wurde verlängert und darin installierte man eine neue Dampfmaschine und -kessel. Nun betrugen die Daten des Schiffes 27,95 x 6,24 x 1,7 Meter und war mit 94,97 BRT registriert. Es wurde auf den Namen der Frau des Isak Löf, Anna getauft. Als Besitzer wurden neben Isak Löf, Adam Nuutinen und aus Kiuruvesi Matti Pietikäinen eingetragen. Isak Löf löste deren Anteile am 6.7.1911 ein.

Als Isak Löf am 29.12.1911, 57-jährig, starb, ging das Eigentum des Schiffes an seine Witwe (geb. Turunen), seine Tochter, sowie seine Adoptivtochter über. Sehr bald nach dem Ableben des Kommerzienrates begründeten die Erben die Isak Löf AG(Oy) in welche jegliches Vermögen floss.

Das Schiff war am 19.6.1913 erneut auf einer Fahrt von der Juanfabrik mit Papierfracht nach Kuopio unterwegs, als die Fracht Feuer fing. Der Schlepper Haapaniemi aus Saastamoinen bugsierte das brennende Schiff an das Ufer von Vasikkasaari, wo man  den Brand unter Kontrolle bekam. Das Schiff war nahezu total zerstört und das Wrack überließ man der Versicherungsgesell schaft 'Salamander' in Kuopio.

ABGEWRACKT. Die  Fahrten der Heino sind Vergangenheit und es ruht nun mit anderen Frachtschiffen und Dampfschlepper gemeinsam auf der Werft in Laitaatsilta. Bild vom 26. Juli 1968. (Bengt Sjöström)

Das dritte Leben


Salamander versteigerte am 30.7.1913 das Wrack für 900 markka an Adam Nuutinen aus Kiuruvesi. Nuutinen schleppte das Wrack nach Maaninka auf die Werft von Pihtisalmi, wo der Maschinenwart des dortigen Sägewerks J. Halmetoja mit Hilfskräften während des folgenden Winters instand setzte. Das Schiff erhielt auch eine mit 40 PS eingetragene Dampfmaschine und einen in der Maschinenwerkstatt in Kotka gefertigten neuen Dampfkessel. Die neuen Daten waren: 28,3/27,93 x 6,35 x 1,8 Meter und 81,33 BRT.

Der vielseitige Matti Pietikäinen aus Kiuruvesi kaufte Anna am 14.10.1915 für sich und verkaufte sie am 4.5.1920 an Ab Gutzeit & Co. in Savonlinna. Gutzeit kaufte zu der Zeit auch einige andere Dampfschlepper und -frachter auf.  Im Frühjahr des folgenden Jahres gab das Handels- und Wirtschaftsministerium die Erlaubnis, den Namen des Schiffes in Heino zu wechseln.

Nach der Übernahme der Enso Träsliperi-Gesellschaft aus Jääskelä bei Jyväskylä wurde aus der Gutzeit die Enso-Gutzeit Oy. 1932 wurde das Schiff abermals erneuert, diesmal bei der Maschinenwerkstatt in Lypsyniemi, wobei auch der der Dampfkessel erneuert wurde. Die VERWANDLUNG zum MOTORPASSAGIERSCHIFF auf der Laitaatsilta-Werft hat angefangen. Bei den ersten Kreuzfahrten von Kuopio aus hatte das Schiff, damals noch Heino, dieses Aussehen.(SLHY) Nach den Kriegen war das Schiff noch ziemlich lange auf dem Saimaa unterwegs, bis es 1964 dauerhaft auf die Werft in Laitaatsilta gebracht wurde.

Das vierte Leben


Nach fast zehnjährigen Dornröschenschlafes kaufte das Schiff der Autohändler Rolf Waldemar Stellberg aus Helsinki und begann das Kreuzfahrtgeschäft auf dem Saimaa. Er ließ die Heino in Laitaatsilta herrichten und dabei mit einem 220 kW-Dieselmotor ausrüsten. Das Schiff wurde für 150 Passagiere und 52 Kabinenplätze zugelassen.

Eigentümer wurde am 7.3.19977 die von Stellberg gegründete Roll-Laivat Oy, Kuopio. Nach und nach wurde das etwas asketisch ausschauende Schiff  dahin gehend erweitert, dass man auf dem Hauptdeck einen Salon und im Unterdeck weitere Kabinen einbaute.

ZUSÄTZLICHE KAPAZITÄTEN wurden auf dem Hauptdeck geschaffen. Auf dem Oberdeck befindet sich nur noch das Führerhaus und eine kleine Kabine. Bild des Schiffes in Kuopio am 6. Juli 1977 (Rami Wirrankoski)

Im Mai 1977 betrug die registrierte Größe 27,93 x 6,35 x 2,02 Meter, sowie 129,34 BRT. 1987 waren 185 BRT eingetragen. Im Sommer 1986 verstarb überraschend, erst 48-jährig, der auch als Kaiser von Hupeli titulierte Rolf ”Rolle“ Stellberg. Der Touristenschiffsverkehr aus Kuopio wurde fortgesetzt, aber das Ableben des ideenreichen Geschäftsführers führte zum Erlahmen und brachte schließlich Verluste.

Die Stellbergs Bruder, Raoul Stellberg, gehörende Gesellschaft Rall-Autot OY, kaufte am 16.11.1990 die Heino zusammen mit anderen Schiffen des Ralf Stellberg, machte aber schon im darauffolgenden Frühjahr Konkurs. Der Verkehr mit den Schiffen wurde in den Jahren 1990-1991 von der von Timo Hakkarainen gegründeten Roll-Line Oy fortgesetzt, die die Schiffe aus der Konkursmasse gemietet hatte. Sie kaufte auch die Heino. Aber auch diese Gesellschaft machte Konkurs, und so fuhr im Frühjahr 1992 keines der Schiffe mehr.

Zur Sicherung und der Fortsetzung des Kreuzfahrtgeschäfts wurde am 5.5.1993 unter der Führung von Seppo Myyryläinen die Roll Risteilyt Oy gegründet. Die Gesellschaft kaufte alle in der Konkursmasse befindlichen Schiffe (Heino, Kallavesi, Lokki, Kuopio und Ukko). Die Heino bekam bei dieser Gesellschaft den Namen Puijo. Kallavesi, Lokki und Kuopio wurden anfangs der 2000er Jahre verkauft.

Im Jahre 2007 verkaufte die Roll Risteilyt Oy, Kuopio die verbliebene Ukko an die zu diesem Zweck gegründete Lakeland Lines Oy in Kuopio und die Puijo an Jorma Vänttinen und seine aufs Neue gegründete Saimaan Laivamatkat Oy, in Savonlinna.

Seit 1993 hat die Puijo sich ohne Unterbrechung auf die bei Kreuzfahrten bekannte Heinävesi-Route zwischen Savonlinna und Kuopio konzentriert.
Das OBERDECK des SCHIFFES wurde überdacht und zusätzliche Kabinen eingebaut. Auch der Name wurde zu Puijo. Das Schiff bei der Ankunft am Pier von Heinävesi am 20. Juli 2002. (Rami Wirrankoski)

Übersetzung des Berichtes von Rami Wirrankoski in Laiva-Lehti 2/2014